Pfarrerin Andrea Borger übernimmt die zweite Pfarrstelle in Gauting

von Pfarramt Gauting

Ein herzlicher Gruß vorab!

Leben ist Bewegung, das trifft auf mich zur Zeit in besonderer Weise zu.

Nach zwölfeinhalb Jahren als geschäftsführende Pfarrerin in der Himmelfahrtskirche München-Sendling darf ich mich in eine große äußere Bewegung Richtung Gauting versetzen. Das ist aufregend, schön und auch innerlich bewegend.

Noch stecke ich in der Anfangsorganisation. Neben der bevorstehenden Konfirmation hier in Sendling denke ich über viele Abschluss- und Übergabe-Themen nach, sortiere Bücher aus, von denen ich mich beim letzten Umzug noch nicht trennen konnte (aber jetzt!) und nehme in vielen kleinen Gesten, Handgriffen und Gesprächen Abschied. Manchmal denke ich dabei an die mir persönlich unbekannte Kollegin, Pfarrerin Johanna Graeff, die das mit ihren Kindern vor gut einem halben Jahr bei Ihnen in Gauting erlebt hat, diesen Aufbruch und Abschied. Und dann haben Sie ihr und den Kindern hinterher gewunken, und jetzt werden wir uns bald begegnen.

Ein paar Informationen zu mir kann ich auf diesem Weg schon einmal geben: Ich bin durch meine große Herkunftsfamilie geprägt (evangelisches Pfarrhaus, sechs Geschwister, viel Musik), durch mein Aufwachsen in Landshut und die Lehr- und Berufsjahre an vielen verschiedenen Orten (Tübingen, Heidelberg, Frankfurt, Mainz, Stockstadt/Main, Ingolstadt, Nürnberg, München). Die letzten 21 Jahre habe ich gemeinsam mit meiner Tochter Friederike gelebt, die im Februar zusammen mit ihrem Freund nach Klagenfurt ins Studium gezogen ist, unter Mitnahme unseres Hundes Ronja. Friederike und Felix werden ihr Zimmer im Unteren Taxetweg haben und öfter mal bei mir sein.

Schon vor 20 Jahren habe ich in der Gemeindeakademie Rummelsberg die Ausbildung zur nebenamtlichen Gemeindeberaterin absolviert und hatte danach für einige Jahre kirchliche Organisationsentwicklung als beruflichen Schwerpunkt. Die gut zwölf Jahre in einer Großstadtgemeinde, die sich daran angeschlossen haben, waren für mich sehr erfüllend, zumal ich innerhalb dieser Zeit unterschiedliche Arbeitsbereiche hatte. In den letzten Jahren hatte ich neben den Gottesdiensten und Kasualien, der Geschäftsführung und dem Vorsitz im Kirchenvorstand die Hauptverantwortung für KonfirmandInnen, für die Organisation des Kirchenasyls und für ein größeres Bauprojekt der Himmelfahrtskirche. Nun möchte ich für’s letzte berufliche Jahrzehnt noch einmal andere Schwerpunkte setzen. Da ich mich seit gut einem Jahr zur Supervisorin ausbilden lasse und für diese Tätigkeit mehr Zeit und Kraft brauche, als ich mit einer vollen Pfarrstelle habe, freue ich mich über die Möglichkeit, in Ihrer Gemeinde mit einem halben Zeitkontingent zu arbeiten.

Einige Schritte des Übergangs liegen noch zwischen mir und Ihnen in Gauting, auch wenn es nicht mehr viel Zeit ist, bis ich bei Ihnen ankommen werde. Der Umzug ist für das vorletzte Juni-Wochenende geplant, am 24. Juni werde ich in Sendling verabschiedet und habe danach eine Woche Kurs in meiner Supervisionsausbildung. Meinen Dienst als Pfarrerin in der Christuskirche trete ich am 1. Juli an. Dann erst werde ich die neuen Alltagswege kennenlernen im Ort und in der Umgebung, und die vielen neuen Sichtweisen, die Sie mir vermitteln werden. Dann erst – und darauf freue ich mich mitten in der Abschiedsarbeit - werde ich das Ende des Kindergarten- und Schuljahres mitfeiern, werde die erste Kirchenvorstandssitzung als neues Mitglied erleben, Gottesdienste mitfeiern und Antrittsbesuche machen. Wie aufregend das alles ist!

Von den Aufbruchs- und Übergangsgeschichten der Bibel ist mir zur Zeit der Traum Jakobs am nächsten (1.Mose 28), in dem er den Himmel offen sieht und Himmelswesen, die auf einer Rampe auf- und niedersteigen. Jakob versteht, als er aufwacht, dass Gott für ihn da ist („Und ich wusste es nicht!“), dass diese Verbindung ihm Halt und Schutz gibt und Grund zur Dankbarkeit für das tägliche Brot, die Kleidung und den inneren Frieden. Ich bin froh, dass ich im Juni für zweieinhalb Wochen in ein Kloster bei Halle gehen kann, um in aller Bewegung und Bewegtheit des Übergangs auf Gottes Stimme zu hören und diese Dankbarkeit auszukosten.

Bleiben Sie behütet – wir sehen uns, so Gott will, im Juli! Herzliche Grüße, Ihre Andrea Borger

Andrea Borger im Starnberger Merkur vom 11. April

 

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